Faszination Glücksspiel

Eine kurze Geschichte des Glücksspiels im TV


Obwohl in der Vergangenheit viele Gameshows (oder Spielshows) im Fernsehen nicht unbedingt Glücksspiele waren, gibt es heutzutage doch einige, welche man im weiteren Sinne als solche bezeichnen kann. Bekanntlich ist ein reines Glückspiel ja nach Definition ein Spiel, dessen Verlauft maßgeblich vom Zufall bestimmt ist und wobei in der Regel ein Geldeinsatz des Spielers vorausgesetzt ist. Bei TV Spielshows kommt ein interessanter Marketing Effekt dazu, vor allem Sponsorenbeiträge in Form von Sach- und Geldpreisen und ‚Product Placement‘, also die strategische Produktplatzierung von Markenartikeln.

Die amerikanischen Gameshows sind die klaren Vorläufer der deutschen Abwandlungen. Lang bevor die ersten amerikanischen Versionen ab 1941 (CBS Television Quiz) ausgestrahlt wurden, gab es diese Form der Unterhaltung schon im Radio. Schon immer ging es darum, dass zumeist Amateure in einer Unterhaltungssendung Aufgaben erfüllen, Rätsel lösen oder ihr umfangreiches Allgemeinwissen zeigen und Fragen beantworten. Eine Unterkategorie von Spielshows sind Quizsendungen.

Bis im Jahre 1988 zum ersten Mal das Glücksrad auf SAT.1 gezeigt wurde, kannte man Sendungen wie EWG – Einer wird gewinnen (ab 1964 im ARD), Dalli Dalli (ab 1971 im ZDF), Am laufenden Band (ab 1974 im ARD) und dann Wetten, dass..? (ab 1981 im ZDF). Der asiatische Korbstuhl vor den vorbeirollenden Preisen auf dem Band und der Satz „welches Schweinderl hättens denn gern“ sind sicherlich für die älteren Generationen unvergesslich. Eine neue Dimension brachte dann das, aus den USA kommende, Wheel of Fortune, oder Glücksrad ins heimische TV. Diese Sendung ist in den USA eine der ältesten und populärsten Gameshows aller Zeiten und wurde im Jahre 1973 erstmals aufgezeichnet. Das Lieblingsspiel der Kinder des Erfinders war „hangman“ (Galgenmännchen) und so wurde dieses Konzept die Basis für eine Millionen-Dollar-Show. Ab 1975 wurde das Wheel of Fortune dann beim amerikanischen Sender NBC ausgestrahlt. Attraktive Sachpreise und sehr hohe Gewinnsummen haben diese Gameshow zu dem gemacht, was sie auch heute noch ist, die am längsten laufende Show mit über 6000 ausgestrahlten Episoden. Sie wurde seitdem in viele Länder exportiert. Das der Sendung seinen Namen gebende Glücksrad zeigt unterschiedliche Beträge und Sachpreise an und die Teilnehmer müssen ein Rätsel einer bestimmten Kategorie durch Wählen von Buchstaben lösen. Durch die hohe Teilnahme von Sponsoren unterlag diese Sendung den Richtlinien für Dauerwerbesendungen, das sind solche, dessen wesentlicher Bestandteil das Bewerben von Produkten ist. In Deutschland startete das Glücksrad im Herbst 1988 und nach mehreren Senderwechseln, lief es bis 2005 in 9live und ist mit über 4000 produzierten Folgen die am häufigsten ausgestrahlte Spielshow im deutschen Fernsehen, genau wie ihr Original in den USA. Auf die des RTL Ablegers RTLplus baldige angekündigte Neuauflage vom Glücksrad warten wir im Sommer 2016 allerdings noch immer. Sicherlich inspiriert von der äußerst erfolgreichen Spielshow, kam 1993 die Sendung Die 100.000 Mark Show zu RTL. Zum ersten Mal konnte man im deutschen Fernsehen eine so hohe Geldsumme in einer einzigen Sendung gewinnen. Obwohl von einigen kritisiert, die zu gewinnende Geldsumme sei zu hoch, lief die Sendung von 1993 bis 1998. Vier Paare traten gegeneinander an, bis in der Endrunde nur noch ein Paar übrigblieb, welches im Finale die Chance hatte einen Safe mit 100.000 Mark zu öffnen. Eine weitere Adaptation einer US Gameshow ist Geh aufs Ganze, im Original Let’s Make a Deal. Von 1992 bis 1997 war Geh aufs Ganze im deutschsprachigen Raum zu sehen und fester Bestandteil des Vorabendprogramms von SAT.1. Insgesamt sind viele interessante mediale Verknüpfungen zwischen Spiel und Glück und zwischen den USA und Deutschland zu beobachten und trotz dem heutigen vielfältigen Angebot von Glücksspielen in allen nur möglichen Medien, erfreuen sich amerikanische wie auch deutsche Game- und Spielshows nach wie vor großer Beliebtheit.